Ren van Hirk

Glück gehabt

Glück gehabt

Flohmärkte sind mein Leben. Schon seit frühester Jugend verbringe ich viel Zeit dort – auf beiden Seiten der Tapeziertische: als Käufer und als Verkäufer. Morgens früh, lange vor den ersten Sonnenstrahlen einen Parkplatz gesucht, schlaftrunken ins gerade eben beginnende Gewühl gestürzt und im Dunklen nach Schätzen gesucht. Welche Freude, welche Sucht.

Noch nicht lange ist es her, da habe ich Glück der ganz besonderen Art gehabt: eine unscheinbare DVD, einer dieser neuartigen Datenträger, ein Medium mit dem sich meine Generation lange nicht anfreunden konnte. Privat gebrannt, also nicht so richtig ganz legal - was kümmert es den Süchtigen. Der Inhalt, auf den Inhalt kommt es an. 4 Stunden Spannung, 4 Stunden Glück. Fast. Jede Minute die Chance, Glück zu haben.

Kleine Filmschnipsel befinden sich auf der silberglänzenden Scheibe, kleine Aufzeichnungen vom Schicksal, die ich mir jetzt nach eigenem Gutdünken auf dem Fernsehschirm anschauen kann. Nach etwa vier Minuten nimmt das Schicksal erneut seinen Lauf, ich kann hoffen, ich kann glauben. Die Aufzeichnungen eines ganzen Jahres. Und jede Folge, die mir besonders gut gefällt, kann ich mir wieder ansehen. Welch genialer Geist hat sich diese Mühe gemacht? Samstag für Samstag vor Fernsehgerät und Aufzeichnungsgerät gesessen und diese einmaligen Momente festgehalten. Ich bin dankbar, diesen Schatz gefunden zu haben: die Ziehung der Lottozahlen, ein ganzes Jahr komplett, Woche für Woche. Glück gehabt.