Ren van Hirk

Die Prinzessin und die Frösche

Die Prinzessin und die Frösche

Es war einmal eine wunder … naja - wunderschön war die Prinzessin nicht, aber ganz süß. Sie hatte zwei freche Äuglein, war neugierig und spielte auch mal mit den Jungs - als sie noch kleiner war. Ihr Papa war natürlich König. Anders geht das ja nicht. Prinzessin ist man nur, wenn der Papa ein Königreich hat. Papa regierte so vor sich hin, manchmal hatte er sogar Spaß bei der Arbeit. Aber mehr Spaß hatte er dabei, mit seiner Prinzessin-Tochter im gemeinsamen Königsgarten zu streiten: ob die Rosen beschnitten gehören, ob die Wege gefegt werden müssen, ob die Frösche zu laut sind.

Apropos Frösche: eines Tages hatte Marylee - so hieß die Prinzessin - einen der Frösche erwischt. Er wollte mit einem großen Satz entkommen, aber sie hatte ihn am Froschschenkel. Und dann hatte Sie ihn in der ganzen Hand. Und da Marylee natürlich ihre Märchen alle kannte, hat Sie ihn sofort geküsst.

Ihhhhh - war das eklig.

Und sonst ist auch nix passiert. Er saß in ihrer Hand, blies seine beiden Backen auf und quakte. Gaaanz laut! Und auf den Lippen von Marylee blieb ein ganz widerlicher fischiger Geschmack zurück. Nie wieder! hat sie sich geschworen.

Sie setzte ihren Frosch-Prinzen in ein großes Einmachglas. Es war sehr groß. Viel Platz. Ein bißchen Erde und jeden Tag Fliegen. Erst hat die Prinzessin die Fliegen selber gefangen, aber später musste das der Gärtner machen. Sie sah dem Frosch gerne zu, wenn er die Fliegen mit seiner langen Zunge… irgendwas kitzelte da in ihr. Eine Leiter bekam der Frosch auch, so könnte er das Wetter vorhersagen - dachte Marylee.

Als die Prinzessin mal wieder nach einem der rauschenden Feste alleine nach Hause kam, da fand Sie wieder einen Frosch. Die Jungs waren alle doof gewesen, hatten nur von ihren neuen tollen Pferdekutschen erzählt, und was sie mal alles Tolles werden. Keiner wollte wirklich mit der Tochter des Königs spielen. Alle keinen Arsch in der Hose. Gut, dachte sie, dann nehm’ ich halt wieder einen Frosch mit. Dann ist mein Prinz nicht so alleine. Sie schleppte den Frosch an seinen Froschschenkeln ab - und - steckt ihn zu dem anderen grünen Gesellen in das riesengroße Einmachglas. Marylee wusste nicht, dass es Froschmännchen und Froschweibchen gab. Sie wusste schon gar nicht, wie man die unterscheidet.
Die beiden Frösche hatten viel Spaß in ihrem großen Einmachglas. Sie hüpften die Leiter hinauf und wieder hinunter, so dass Marylee ganz eifersüchtig wurde. Sie quakten sehr laut und der eine, der Erste, der blähte immer seine Backen ganz dolle auf. Marylee war sehr beeindruckt. Sehr.

Die Tage zogen ins Land (so heißt das in alten Geschichten nun mal), der König regierte - mal mehr - mal weniger und die Prinzessin sehnte sich nach einem Prinzen. Aber die Prinzen zogen in die Nachbarkönigreiche, dorthin, wo es die neuen Pferdekutschen und die dicken Knödel gab. Marylee fühlte sich manchmal etwas alleine.

Als sie eines Regentages mal wieder ihrem Froschpärchen zuschaute, da kam sie ins Grübeln. Und Marylee grübelte und schaute dem Treiben der beiden grünen Gesellen zu.

Dann dachte sie: Warum eigentlich nicht? Sie musste lange überlegen, bis sie wusste, welches der Frosch war, den sie zuletzt mitgebracht hatte. Aber dann ging ihr ein königlicher Kronleuchter auf: Es war der, der seine Backen nicht aufblähte. Sie nahm ihn aus dem Einmachglas heraus und hielt ihn in der Hand - so dass er nicht springen konnte. Er sah sie sehr, sehr traurig an. Und dann konnte sie nicht anders, es überkam sie: sie küsste ihn.

Ihhhh -wieder dieser eklige Fischgeschmack - Sie lies ihn vor Schreck fallen, ihr wurde ganz komisch - dann wurde alles froschgrün um Sie herum. Marylee wurde ohnmächtig - ohne Macht.

Marylee wacht auf - langsam - irgendwie ist alles anders. Vor sich sieht sie eine riesengroße Leiter, davor scheint eine dicke Wand aus Glas zu sein. Aber sie weiß: da gehöre ich hin. Sie will auf die andere Seite der Glaswand, auf die Leiter. Verstehen kann Sie das noch nicht. Ihre Finger sind grün - seltsam - und diese Haut, die sich zwischen den Fingern - Fingern? - spannt. Sie will etwas sagen, aber es klingt sehr seltsam. Sie will aufstehen, aber sie hüpft stattdessen. Irgend etwas ist anders… Papa! …. oh-oh!

Auf der anderen Seite der Glaswand sieht sie die beiden Frösche. Hey, ihr gehört doch zu mir, hey, helft mir, ihr seid doch auch grün, helft mir doch.

Sie sieht, wie die beiden aufeinander zu hüpfen, der eine sitzt plötzlich auf dem anderen Frosch rittlings drauf. Marylee wird ganz komisch im Kopf. Und dann, nach viel Gequake, sitzen die beiden Frösche plötzlich sich gegenüber und - küssen sich.

Poff. Bang. Bumm: Große Rauchwolke. Plötzlich steht da ein wunderschönes Paar vor ihr: Prinz und Prinzessin. In den schönsten Kleidern der Welt. Marylee schluchzt. Tränen der Rührung kommen nicht - Frösche können das nicht. Sie sitzt da - erstaunt - hilflos - verängstigt.
Der Prinz dreht sich zu ihr um und nimmt sie in die Hand.

Jaaaa, Prinz, bitte küss mich!

Er küsst Sie. Und dann setzt er sie in das riesengroße Einmachglas mit der Leiter und den Sumpfdotterblumen. Ab und zu bringt er ihr ein paar Fliegen vorbei. Marylee sagt, wenn sie Lust dazu hat, manchmal das Wetter voraus. Sie klettert auf der Leiter herum und sagt “Quak”. Der Prinz und die Prinzessin leben glücklich und wissen Dank der Froschprinzessin immer, ob die Sonne scheint oder nicht.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann quaken sie noch heute.