Ren van Hirk

Streik

Streik

1. Der Künstler

Die Bühne ist leer.

Nur Artur sitzt auf einem Stuhl. Er schaut ins Nichts.

Es passiert nichts - für eine quälend lange Zeit passiert nichts. Kein Wort, keine Geste. Erst wenn im Publikum die Ersten aufstehen und gehen wollen regt Artur sich.

"He, Sie da. Warum gehen Sie? Warum so unsolidarisch?"

Pause.

"Die anderen bleiben doch auch …" er schaut sich im Publikum um "…oder? Sie bleiben doch. Sie sind doch solidarisch?"

Lange Pause.

"Ich streike!"

"Kein Theater, nein, nein, nein! Ich streike - und alle meine Kollegen auch."

Er steht auf und hält ein Schild in die Luft. Darauf steht in roten Buchstaben: "STREIK"

Er dreht es um: "GRÈVE".

Er dreht es wieder um: "HUELGA".

Er dreht es wieder um: "SCIOPERO".

Er dreht es wieder um. Eine Kontonummer und ein Geldinstitut. Er zeigt auf das Schild: "Streikkasse! Irgendwie muss ich ja die Brötchen bezahlen. Schreiben Sie es ruhig auf. Oder nein, am Ausgang liegen nachher ja auch die Flugblätter. Unterstützen Sie uns!"

Er legt das Schild beiseite, setzt sich wieder und es passiert wieder nichts. Für eine quälend lange Zeitspanne passiert nichts.

Er steht auf: "Ich streike. Wir Künstler streiken. Alle. Nein, nicht was Sie denken. Es geht nicht um 3 Prozent und geregelte Arbeitszeiten." Er schreit: "Spießer!" Jetzt wieder mit ruhigem Ton: "Was denkt ihr eigentlich … drei Prozent.", lacht, "nein, ihr habt nix verstanden.
Es geht um was ganz anderes. Es gibt einfach zu viel davon. Zu viel Kunst. Überall Kunst, alles voll davon. Jeder hier ist ein Künstler. Und mir reicht's.

In welches Theater gehen wir heute"- gekünstelt - "Schatz.? - Ihr sucht euch eure Kunst aus wie an einem überladenen kalten Büffet."

Pause

"Sie da hinten … hören Sie auf! Sie schreiben ja mit. Nachher behaupten Sie wohl, das Stück wäre abgekupfert. Einmal meine Ansprache durch Google gejagt und schon das Original gefunden, was? Sowas kann ich nicht brauchen! Los, aufhören! Bleistift weg! Handykamera aus! Ihnen ist das Wort 'Copyright' ja auch nur heilig, wenn Sie jemand anschwärzen können."
"Und überhaupt: das Stück bekommen Sie heute nicht geboten: 'Publikumsbeschimpfung' … ein alter Hut. Gab's schon mal, da haben Sie recht. Also nicht, dann also … Streik."

Er setzt sich.

Ruhe.
"Ich will Ihnen das mal erklären. Es ist nicht so, dass Sie nichts bekommen für ihr Geld. Die Garderobenfrauen streiken zum Beispiel nicht. Die haben ja auch keinen Grund. Immer ein nettes Lächeln für ein nettes Trinkgeld. Und wissen Sie was: die Damen haben es verdient." er ruft in die Luft über dem Publikum "mein Dank an die Garderobenfrauen!"
"Und die Beleuchter streiken auch nicht, haben ja auch keinen Grund dazu. Das Gehalt ist zwar nicht fürstlich, aber … jeden Tag eine neue Herausforderung. Und meine Kollegen da oben" - er zeigt in die Beleuchtung über der Bühne-"rücken sogar den Streik ins rechte Licht.
Nur - und das ist natürlich blöd für Sie - die Künstler, die streiken, …"

"Die Autoren übrigens auch. Ich muss mir alles selbst ausdenken, was ich Ihnen hier erzähle. Kein Skript, kein Drehbuch. sehen Sie, wir Schauspieler haben es auch nicht leicht, aber so ist das halt."

Pause.

"Sie verstehen das gar nicht. Sie denken jetzt, das wäre das Stück …", lacht laut, dann nachdenklich "schade - so viel Geld, so wenig Verstand. Schau'n Sie, ich mach den Job schon eine Weile, und ich weiß, dass heute Abend eine von den Vorstellungen ist, an denen es keine subventionierten Karten für Studenten gibt. Kein junges Gemüse hier, keine Hartz-4's. Nur die 'oht-volee'. Und Sie denken, das wäre das Stück. Schau'n Sie doch mal ins Programmheft. Hätten Sie merken müssen - gell. Vier Schauspieler angekündigt. Und? Ich bin nur einer. Die Kollegen machen's richtig - gleich raus in die Freizeit. Aber dann denk' ich mir: Streik heißt ja nicht Faulenzen. Nein, nein, zur Arbeit muss man schon kommen - nur eben nicht arbeiten. Verstehen Sie?"… schaut fragend ins Publikum, dann resigniert: "nein … naja, ich merke schon. Schade."

Pause

Zwischendurch hält er das Schild mit dem Wort "STREIK" hoch.
"Gehen Sie doch rüber in die Oper … vielleicht streiken die noch nicht. Wird schon noch kommen.

Wenn man zu viel Brot hat, dann kann man es ja den Armen geben, aber was macht man eigentlich, wenn man zu viel Kultur hat? Wollen Sie welche abgeben?" … wieder in affektierten Ton…"ach, wenn es nur nicht so eine große Auswahl gäbe, man weiß ja gar nicht mehr, wo man zuerst hingehen soll."

Etwas lauter: "die Bücher verstopfen die Regale im Keller und die Bilder stapeln sich in den Galerien. Wir haben soviel Kunst, dass wir schon Skulpturenpfade auf den Kuhweiden einrichten müssen. Wohin nur, wohin? Wir sind ja so gebildet."

Wieder in normalen Ton: "und der Plebs? Kauft sich die Reproduktionen bei IKEA. Oder gleich im Restpostenmarkt. Der Quadratmeter Leinwand für, sagen wir mal ein paar Euro achtzig. Die Theaterstücke gibt's im Privatfernsehen. Können Sie verstehen, dass es einfach keinen Spaß mehr macht …"

Er geht eine Weile ruhig auf der Bühne hin und her, ab und zu hält er das Schild mit den roten Buchstaben hoch.

Er sitzt wieder. Nachdenklich: "Wissen sie warum das mit dem Streiken bei den Nutten nie klappt? Na? Weil immer eine dabei ist, die gerade Geld braucht. Oder eine, bei der … lassen wir das. Und jetzt denken Sie, dass das bei den Künstlern ähnlich läuft … es ist immer einer dabei, der Geld braucht. Es ist auch immer einer dabei, der ganz dringend seine Impressionen der Welt vermitteln muss, einer, der diese Vision hat, die er mit allen teilen will, einer, dessen Kreativität nur so übersprudelt, denken Sie, so einer ist immer dabei…"

Sein Handy klingelt.

Er nimmt das Gerät aus der Hosentasche, schaut auf das Display, nimmt den Anruf an: "Hallo, ….ja ….ja…..Ja!" er ist einsilbig, legt auf. Er setzt sich hin.

Es passiert nichts.

Wenn ein Zuschauer hüstelt oder niest, fängt er an zu reden: "Ja … ja, ich telefoniere bei der Arbeit, ich hab das Handy nicht ausgeschaltet. Das war auch nicht privat, das war dienstlich, mein Vorgesetzter … ja … komm, hören Sie doch auf, Sie haben ihr Handy doch auch an während der Arbeitszeit. Tun Sie doch nicht so! Wenn die Tochter Sie mal schnell erreichen muss…"

Pause

"Ach lassen wir das."

Pause

"Wir Streikenden, wir müssen ja auch Verbindung halten. Ko-ordi-na-tion! Mein Chef findet das übrigens in Ordnung. So als Intendant ist man ja auch sowas wie Künstler. Und glauben Sie mir - er leidet auch unter der Situation: zu viele Theaterstücke. Er weiß ja gar nicht, was er auf den Spielplan setzen soll.

Und Sie, Sie wollen doch sowieso immer das gleiche sehen.
Jaaaa, mein Chef versteht uns. Er würde am liebsten mitstreiken. Geht ja nicht…

Pause. Er sitzt unruhig auf dem Stuhl.

Das Handy klingelt. Er steht auf, nimmt das Gerät aus der Tasche und nimmt den Anruf an: "Ach …jetzt schon? Na, Mensch, das ging ja fix. OK, ja, ja, mach ich, ist gut. … also … wie gesagt …. Ciao." Er macht ein erfreutes, stolzes Gesicht: "Also, meine Damen und Herren, jetzt ist es soweit."

Er holt ein zusammengefaltetes Stück Papier aus seiner Gesäßtasche und räuspert sich: "Ich lese Ihnen jetzt die Erklärung vor. Alle Künstler haben unterschrieben. Es ging jetzt doch sehr schnell. Ja, ja, alle … Maler, Schriftsteller, Tänzer, Bildhauer, Komponisten … und natürlich auch die Schauspieler. Also, hören Sie."

Er räuspert sich nochmal, dann liest er langsam und laut vor:

"Wir streiken.
Die Künstler der Welt haben beschlossen ab sofort nicht mehr zu produzieren.
Es reicht.
Es gibt zu viel.
Wir ertrinken in Kunst."

Das Handy klingelt, er nimmt an: "Ahh, gut, sehr gut!"

Zum Publikum: "Soeben haben sich auch die Designer uns angeschlossen."

"Also nochmal ….: Wir streiken. Die Künstler … ach egal, sie haben es ja gehört." Er hält noch einmal das Schild hoch, legt es dann auf den Boden und setzt sich mit verschränkten Armen wieder auf den Stuhl

.

Wieder passiert eine sehr lange Zeit nichts.

Ein Putzfrau kommt auf die Bühne und kehrt. Sie hebt das Schild an, um darunter kehren zu können. Dann geht sie von der Bühne.

Nach einer Weile wird es dunkler, die Bühnenbeleuchtung geht aus, es klappert im Hintergrund. Ein Mann in Arbeitskleidung kommt auf die Bühne: "Nacht, Artur … ich geh mal nach Hause." Er zündet sich eine Zigarette an.

"Tschüss Frank, bis morgen … ich bleib noch ein bißchen."

2. Die Galerie

Eine moderne Galerie für Kunst und Bilder in einer großen Stadt. Große, weitläufige Räume. Die Wände weiß, an den Wänden hängen leere Rahmen. Vorne ein Verkaufstresen, darauf eine weiße Vase mit einem Strauß weißer Blumen. Am Tresen steht ein Mann in weißem Leinenanzug, der Inhaber der Galerie. Ihm gegenüber steht ein anderer Mann, leger gekleidet, ein Geschäftsfreund. Auf dem Tresen halb volle Sektgläser, Kaffeetassen und ein Aschenbecher.

Inhaber: "Nee, nee, neee, ne, nee"

Geschäftsfreund: "Was'n los, Bertie?"

I:"Ach weißte, ich glaube, ich … ne, neee, ne, ne, nee, … ich glaube, ich muss mir was anderes ausdenken."

G: "Meinste wegen Eva …das kriegste schon wieder g'rade gebogen …"

I: "Ne ……ach nee, nee, das ist nicht schön, das ist unschön, das darf gar nicht sein."

G:"Ääh, wie jetzt. Was genau meinst Du?"

I:"Ich hab geträumt … das war so furchtbar …. weißt du, wie das ist, wenn Du im Traum Deine Existenz verlierst, wenn plötzlich alles aufhört und weg ist" - trinkt einen Schluck Sekt - "alles. - Und nur weil diese …. weil diese gottvermaledeiten Wi…"

G:"Bertie! Was ist Sache?"

I:"Ich hab geträumt, dass die streiken."

G:"Wer? Die Lokführer?"

I:"Hör auf mit den Witzen, was interessieren mich die Lokführer …" trinkt wieder Sekt.

G:"Na wer denn dann?"

I:"Die Maler."

G:"Wer?" - fängt an zu lachen … "wolltest du die Galerie jetzt doch in Pink streichen? So wie es Eva damals wollte?"

I:"Idiot. Doch nicht die. Die Künstler, die Maler, die Bildhauer … all die, die den Krempel produzieren, von dem ich lebe. Verstehst Du? Es war ein furchtbarer Traum …"

G:"Bertie …" schaut dem Inhaber dabei tief in die Augen.

I:"Hör auf mit dem Bertie-Kram. Weißt Du, was das bedeutet - ich werde pleite gehen. Ein Galerist, der nichts mehr zu verkaufen hat, kann dicht machen. Mir nehmen meine Kunden die leere Galerie nicht als Kunstprojekt ab …"

G:"Bertie …"

I:"Du sollst aufhören mit dem Scheiß!" Es ist ernst. Sie malen nicht mehr."

G:"Wer? Wer malt nicht mehr?"

I:"Der Kwartschek, Fischer-Mühle, die Graupener, Lissy, Herr von Hirkeding … alle, sie malen nicht mehr … sie ….sie streiken.

G:"Die Graupener …"er denkt nach, "die ist doch seit zwei Jahren im Pflegeheim, vollkommen debil …"

I:"Die Schwiegertochter malt jetzt - hat gemalt, bis vor einem Monat, jetzt streikt sie …"

G:"Ich dachte, das war ein Traum …"

I:"Wovon soll ich denn leben, wenn die Kleckser alle nicht liefern. Der Krambichler fragt schon seit Wochen nach was Neuem, was Rotes, Modernes - fürs Gästezimmer. Und der hat das Geld locker … na, wenigstens muss ich keine Angst haben, dass er zum Fischer am Alten Markt geht, der hat auch nix mehr …"

G:"Bertie … Traum oder Wirklichkeit?"

I:"Ich weiß es nicht, ich glaube, die machen das wirklich. Vorhin hat ein Kollege aus München angerufen - kenn' ich nicht weiter, aber es hörte sich so an, als wenn er nichts mehr reinkriegt und bei mir was abstauben wollte.

Weißt du, was da auf uns zukommt - kein Umsatz für Wochen, Monate, Jahre, wer weiß, wie lange die durchhalten. Ich hab ja gehofft, dass irgendeiner ausschert, einer braucht ja immer Anerkennung. Einer ist immer dabei, der die Situation ausnützen will und seinen Kram verkaufen will - aber nein - die halten zusammen."

G:"… und die aus dem Volkshochschulkurs?"

I:"Ich verkaufe Kunst. Ich kann es mir nicht leisten, hier irgendwelches naives, dilettantisches … ach weißt Du, da kommt auch nichts. Als wenn sich alle verschworen haben …ich hah' schon überlegt, ob ich selber … oder meine Tochter …"

G lacht:"Du …. du bist farbenblind." Hält sich die Hand vor den Mund, "'sorry, ist mir 'rausgerutscht - soll ja keiner wissen …"

I schaut genervt aus dem Fenster und sagt nichts.

G:"..soll ich?"

I:"Soll ich jetzt auch lachen. Du verstehst aber auch gar nix. Ich brauch keine Farbkleckse, ich brauche Kunst. Ich lebe davon, dass ich Kunst verkaufe … und ich habe nichts. Wenn ich nächsten Monat nichts reinkriege, dann verkaufe ich nichts. Dann dauert es nicht mehr lange und…"

G:"Das ist ja ein Alptraum."

I:"Ja …"

3. Der Journalist

Chef und Journalist im Büro einer Redaktion einer Zeitung. Typisches Redaktionsambiente, der Chef läuft aufgebracht um die Tische herum, der Journalist sitzt hilflos an seinem Arbeitsplatz.

Chef: "Sehr lustig, Herr Teschkow. Eine halbe Seite meiner Zeitung bleibt weiß. Sehr spannend. Und so innovativ. Die Leser werden das lieben. Was soll das?"

Journalist:"Es gab nichts zu schreiben."

C gereizt: "Es gibt nichts zu schreiben - vielleicht gibt es dann auch nichts zu bezahlen?"

J zuckt mit den Schultern.

C versöhnlicher: "Mensch, Teschkow, was ist los. Sowas können wir uns nicht leisten … eine halbe Seite leer. Warum?"

J:"Es gibt nichts zu schreiben, nichts zu rezensieren. Keine Ausstellung, keine Galerieeröffnung. Der Prettler hat auch nix … Autorenlesungen oder so … alles Flaute, Ebbe."

C:"Aha … Den Künstlerherrschaften geht's wohl zu gut …"

J:" …streiken, alle … zu viel produziert die letzten Jahre, sagen die Insider. Zu viel produziert, die letzten hunderte Jahre, sagen die Kenner, keine neuen Ideen, sagen die Defätisten."

C:"Und Du, was sagst Du, Teschkow?"


J:"Ich? … na ja, ein bißchen recht haben die schon, die Künstler …viel gibt's schon von dem Zeug. Ist halt nicht alles gut, nicht alles Kunst.

Mann, vor zwei Jahren, da haben die sich gedrängelt hier, eingeladen worden bin ich, über alles und jeden sollte ich schreiben. Da hat das Papier nicht zum Drucken ausgereicht … und jetzt … reden wollen sie alle - aber über ihren Streik. Produziert wird nix."

C schaut zum Fenster raus: "Habt ihr schon was über den Streik …"

J:"… vor zwei Monaten. Das Publikum interessiert's nicht mehr … am Anfang haben ein paar Hausfrauen versucht ihre Bilder an den Mann zu bringen, so ein paar Blogger haben sich als Schriftsteller großgetan. Aber jeder, der halbwegs dazu imstande ist, Qualität zu erzeugen, schließt sich innerhalb kürzester Zeit den Streikenden an. Keine Ahnung, wie die das machen. Und wo die Knete herkommt. Ich wünschte, wir Journalisten hätten so eine Streikkasse."

C schaut ihn böse an:"Teschkow!"

J:"najaa … ich brauch' ja gar nicht zu streiken … hab eh nix mehr zu schreiben. Keine Kunst, keine Kultur, kein Kunst- und Kulturjournalismus.

C:"… und wenn Du mal über irgendwas in China …"

J lacht:"Die müssen gar nicht erst streiken, die dürfen gar nicht produzieren. Und das, was aus manchen Ländern offiziell verbreitet wird … nee, da streike ich dann."

C:"Kann es sein, das ich ein Wort heute besonders oft höre?"

J zuckt mit den Schultern.

Ein anderer Mann kommt rein:"Seid ihr fertig mit dem Kulturteil, wir warten …"

J:"Willste meine Seite für Fußball haben?"

Der andere:"Winterpause" und geht.

C:"Denk dir was aus!"

J:"Ich werde Künstler, dann streik' ich einfach mit."

Nachspiel

Leere Bühne, das Schild mit der Aufschrift "Streik" sichtbar irgendwo aufgestellt, der Stuhl ist leer. Artur kommt offensichtlich von der Toilette herein, richtet sich die Hose und setzt sich auf den Stuhl. Er schaut mal ins Publikum, mal in die Luft, mal auf den Boden. Er sagt nichts, aber er bewegt sich ab und zu, läßt seine Mimik spielen und schaut manchmal im Publikum Zuschauer gezielt an. Immer, wenn im Publikum jemand aufsteht, um zu gehen, oder irgendeine andere Reaktion aus dem Publikum kommt, steht er auf und sagt mit lauter Stimme: "Zu viel ist zu viel, wir fordern: Weniger. Wir streiken".

Einer im Publikum steht auf, schaut sich um, macht sich bemerkbar. Dann mit lauter Stimme: "Meine Frau malt auch … wenn jemand sich für hübsche Bilder interessiert …"

Artur winkt den Zuschauer auf die Bühne. Der Zuschauer zögert kurz, dann geht er auf die Bühne. Artur und der Zuschauer reden miteinander ein Weile, man kann aber kein Wort verstehen. Der Zuschauer geht dann seitlich von der Bühne weg, kommt aber nach kurzer Zeit mit einem Stuhl wieder und setzt sich neben Artur. Beide bleiben sitzen, sind dabei aber nicht reglos. Daran ändert sich nichts bis auch der letzte Zuschauer aus dem Publikum den Saal verlassen hat und gegangen ist.